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Gymnastik und Kaffeeklatsch
FREIZEIT In Casekirchen treffen sich seit einigen Jahren ein Dutzend Seniorinnen, um sich sportlich
aber auch geistig fit zu halten. Karin Baier betreut die Gruppe von Anfang an.
Casekirchen. “Die Zehenspitzen zum Körper heranziehen und … halten!" Es gibt gewiss leichtere Übungen
als diese, denkt sich die 79-jährige Helga Zimmermann, doch es ist die letzte für diesen frühlingshaften
Nachmittag und deshalb sammelt sie noch einmal alle Kräfte und versucht ihr Bein in der Höhe zu halten -
auch wenn scheinbar die Sekunden immer länger und ihr Fuß immer schwerer werden. Dann endlich das
erlösende Signal: "Den Fuß langsam zurück zum Boden und lockern!"
Es ist Montag, kurz vor 15 Uhr, und
wir befinden uns im einstigen
Klassenraum der Casekirchener
Dorfschule - heute das Kulturhaus
im Ort, das nun kurzzeitig in eine
kleine Sporthalle umfunktioniert
wurde. Insgesamt eine Stunde
lang haben sich sechs Frauen im
Alter zwischen 50 und 80 Jahren
mal kleineren, mal größeren
sportlichen Herausforderungen
gestellt. "Wir sind sonst deutlich
mehr Frauen", stellt Teilnehmerin
Gudrun Walther fest. Die Runde
stimmt ihr nickend zu und zählt
auch gleich alle gewöhnlichen
Mitwirkenden auf. Ergebnis: Bis zu
zwölf Damen aus Casekirchen und
den benachbarten Dörfern
Köckenitzsch und Aue nehmen regelmäßig an den Sportnachmittagen teil, die hier jeden Montag zwischen
14 und 15 Uhr veranstaltet werden.
Angefangen hatte alles vor vier Jahren, als die Casekirchener Kindertagesstätte ihren Betrieb einstellte.
Die Räume sollten jedoch weiter genutzt werden, und so kam schnell die Idee auf, eine Art
"Generationstreff" im Gebäude einzurichten. Das begann damals mit Spielenachmittagen, daneben wurde
auch getöpfert oder gebastelt. Zeitweise beschäftigte auch der Internationale Bund eine Mitarbeiterin, die
regelmäßig verschiedene Angebote in der ehemaligen Kita bereithielt. Die Einwohnerin Renate Erfurth
machte eines Tages den Vorschlag, eine Art Seniorensport ins Leben zu rufen. Die ideale "Vorturnerin" war
dann auch schnell gefunden. Seit Anfang an betreut nämlich die 53-jährige und ausgebildete
Wellnesstrainerin Karin Baier - ebenfalls Casekirchenerin - die ausschließlich weibliche Gruppe.
Mittlerweile ist man zwar in die frühere Schule umgezogen, doch
die Übungen sind gleich geblieben: Angefangen von verschiedensten
Dehnungsübungen, über Gymnastik bis hin zum Krafttraining, wobei
Wasserflaschen nicht nur den Durst besiegen, sondern auch gleich
als leichte Gewichte herhalten müssen.
Wer meint, die Damen hangeln sich hier von der einen körperlichen
Anstrengung zur nächsten, der irrt. "Karin überlegt sich immer
etwas Neues", lobt Lena Dietrich, die mit 81 Jahren wohl älteste
Teilnehmerin der Runde. "Sie sorgt immer für ein
abwechslungsreiches Programm, das sowohl leichte als auch anspruchsvollere Übungen beinhaltet." Der
Kopf soll ebenfalls fit gehalten werden, weshalb neben den sportlichen Übungen auch die ein oder andere
Denkaufgabe sowie diverse Geschicklichkeitsspiele eingebaut werden. Und im Sommer geht's natürlich raus
an die frische Luft. Dann bieten sich sogar Staffelspiele und Laufübungen an. "Auf Geschwindigkeit kommt
es da natürlich weniger an", betont Karin Baier, "der Spaß an der Sache steht im Vordergrund."
Doch nicht nur der Sport allein führt die Damenrunde zusammen. "Für uns Senioren gibt es ja nichts hier in
der Gemeinde", wird beklagt, "also haben wir das selbst in die Hand genommen", berichtet Lori Krebs (72).
Kulturelle Ausflüge stehen daher zusätzlich auf dem Plan: Ob eine Führung durch die Domstadt Naumburg,
die Besichtigung des Memlebener Burgschlosses oder der Besuch des Trebnitzer Beeren- und Straußenhofs,
die Frauen haben schon einiges zusammen unternommen. Freude bereiten aber auch die gelegentlichen
Kaffeekränzchen, die sich oftmals bei Geburtstagen an das Training anschließen. "Da futtern wir uns wieder
alles drauf, was wir uns zuvor mühsam abgestrampelt haben!", verrät schmunzelnd Gertraud Diesel.
Und welchen Nutzen ziehen die Frauen selbst aus ihrem gemeinsamen Hobby? Antworten sind schnell
gefunden: Zum einen schaffe man ein speziell für Ältere attraktives Freizeitangebot, das Spaß, Vergnügen
und Abwechslung bereitet. Zum anderen tue man seiner Gesundheit etwas Gutes. Schließlich machen sich
positive Aspekte bemerkbar: Die Damen sind deutlich fitter geworden. "Am Anfang haben wir kaum eine
halbe Stunde geschafft, heute ziehen wir 60 Minuten straff durch" sagt Karin Baier voller Stolz auf ihre an
Jahren reiche Turnerinnen. Mit dieser guten physischen Verfassung können künftig wohl noch so einige
Geburtstagstorten nach dem Sport angeschnitten werden!
erstmalig erschienen am 27.05.2011 im Naumburger Tageblatt / Mitteldeutsche Zeitung.
Redakteuer: Tom Zeretzke.
Foto: Tom Zeretzke.
Diese Übung dient nicht der gegenseitigen Begutachtung der Socken, sondern ist
Teil des regelmäßigen Sport- und Gymnastikprogramms.