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Nichts als leere Versprechungen: Sanierung der L 201
zwischen Aue und Schkölen wird erneut verschoben
STRASSENBAU Fehlplanung nach uralten Richtlinien verhindert Baustart im nächsten Jahr.
Aue (Molauer Land). Die Sanierung der nach dem Winter einer Mondlandschaft gleichenden und nur
notdürftig geflickten Landesstraße 201 von Aue bis zur Thüringer Landesgrenze wird wieder verschoben.
Diese Botschaft bekam Wethautal-Bauamtsleiterin Evelyne Schwikal während einer Gesprächsrunde mit
Sachsen-Anhalts Verkehrsminister
Thomas Webel (CDU) zu hören.
Die Planungen müssten wegen
neuer Bundesrichtlinien zur
Errichtung von Leitplanken
überarbeitet werden. Und das
würde bis 2012 dauern, sodass im
kommenden Jahr nicht mehr mit
einem Baubeginn zu rechnen sei.
Dabei hatten noch im März sowohl
André Schröder (CDU), damals
Staatssekretär im Ministerium für
Landesentwicklung und Verkehr, als
auch Ressort-Pressesprecher Harald
Kreibich zugesagt, dass 2012 die
grundhafte Erneuerung des rund
zwei Kilometer langen Streckenabschnittes erfolgen soll. Schon 2002 hatte der damalige SPD-
Verkehrsminister Jürgen Heyer den grundhaften Ausbau der seit den 1940er Jahren immer nur geflickten
Schlaglochpiste versprochen. Später war vorgesehen, die Sanierung der Strecke 2009 abzuschließen. Doch
wegen eines notwendig gewordenen Planfeststellungsverfahrens sollten die Arbeiten um zwei Jahre
verschoben werden.
Auf Nachfrage von
Landtagsabgeordnetem Daniel Sturm
(CDU) teilte Webel nun mit, dass die
2010 von der Straßenbauverwaltung
Sachsen Anhalt beim
Landesverwaltungsamt
eingereichten Unterlagen auf
"Richtlinien für passive
Schutzeinrichtungen" - im
Volksmund Leitplanken genannt -
von 1989 mit Ergänzungen von 1996
basierten. Diese Richtlinien seien
aber 2009 ersetzt worden. Deshalb
müssten die Planungsunterlagen
überarbeitet werden. "Ein
Planfeststellungsverfahren dauert
erfahrungsgemäß ein bis anderthalb
Jahre", so Webel. "Unter
Berücksichtigung der vorgenannten
Sachzwänge erscheint aus jetziger
Sicht ein Baubeginn vor 2013 als
nicht realistisch."
Quelle:
Naumburger Tageblatt / Mitteldeutsche Zeitung vom 02.08.2011.
Redakteur:
Roland Lüders.
© Florentine/pixelio.de
KOMMENTAR
Es ist ein Skandal. Die seit den 1990er Jahren geforderte, 2002
zugesagte und seither immer wieder ausgesetzte Sanierung der Straße
von Aue nach Schkölen wird wieder auf die lange Bank geschoben.
Merkwürdig ist dabei, dass es immer vor Landtagswahlen Versprechungen
zum Ausbau der Schlaglochstrecke und hinterher plötzlich unerwartete
Planungshindernisse gibt.
Plötzlich? Hätte Staatssekretär André Schröder, jetzt CDU-
Fraktionsvorsitzender im Landtag, im März seine Hausaufgaben gemacht,
wäre ihm wohl klar gewesen, dass sein Versprechen nicht einzuhalten
ist. Denn wie kann es sein, dass 2010 Planungsunterlagen eingereicht
wurden, die auf 1989 erlassenen und 1996 leicht novellierten Richtlinien
basieren, obwohl diese schon 2009 nur noch Makulatur waren?
Da stellt sich ebenso die Frage nach der Kompetenz der Beamten der
Straßenbauverwaltung, die Planungen für den Papierkorb und damit
zusätzliche Kosten produzieren. Damit sollte sich vielleicht auch mal der
Landesrechnungshof beschäftigen. Und für Betroffene stellt sich die
Frage nach der Glaubwürdigkeit von Politik.
Roland Lüders